von Andreas Sommerhalder
Das ist eine wunderbare Gartenübung. Ich brauche dazu ein Gartenbänkli und einen Bauch, auf den ich meine Hände legen kann. Idealerweise nehme ich meinen eigenen dazu.
Als nächsten Schritt lenke ich meine Aufmerksamkeit auf die hebende und senkende Bewegung meiner pausierenden Hände... es atmet! Von ganz alleine! Sogar ohne Kontrolle!
Diese Erkenntnis entspricht dem ersten grossen Naturgarten-Hauptsatz: Das Leben funktioniert auch ohne meine Kontrolle. Und das schon ein paar Jahre vor meiner Ankunft auf diesem Planeten.
Das meine ich nicht nur belustigend.
Es kann durchaus beruhigend sein, im Garten eine Kraft anzutreffen, die sich sehr gut selbst zu helfen weiss. Meiner Meinung nach besteht ein grosser Gewinn des Naturgartens darin, das eigene Verhalten mit dem Weg der Natur in Einklang zu bringen. Die Natur ist ja ziemlich erfolgserprobt.
Jetzt bin ich leider ein wenig vom Schönheitsthema abgekommen. Aber früher oder später hängen im Garten die Dinge eben zusammen.
Als ich jedenfalls kürzlich durch das bewusste Atmen eingestimmt und barfuss ein Plätzchen zwischen den Wegschnecken gefunden hatte, war es vorgekommen, dass ich unter der Rinde eines abgestorbenen Baumes die faszinierenden Spuren eines Borkenkäfers entdeckte. Ärgerlich, könnte man meinen. Aber das Bild ist tatsächlich so wunderschön, wie die Funktionalität, die sich dahinter offenbart. Wird ein abgestorbener Baum entgegen dem helvetischen Sauberkeitsdenken nämlich nicht weggeräumt, dient er unzähligen Insektenarten als Lebensraum. Dies lockt den Specht herbei, der möglicherweise im Baum eine Höhle baut.
Alte Spechthöhlen werden übrigens gerne von Fledermäusen übernommen. Und was fressen Fledermäuse? Genau, Borkenkäfer! 