von Andreas Sommerhalder
Von Inspiration zu reden, ist eine gute Sache. Es verhält sich damit allerdings ein wenig wie mit dem grünen Daumen. Niemand weiss so recht was davon zu halten ist. Die Sache scheint von Geheimnissen umwittert zu sein.
Es ist mir ein Anliegen die Gestaltungsaufgabe so weit wie möglich zu entmystifizieren und sie auf eine alltagsfreundliche Ebene zu bringen.
Im Wesentlichen geht es mir darum, sich einer Situation zu stellen, innezuhalten, zuzusehen, zu beobachten, zuzuhören und die Situation in ihrer Ganzheit zu erfassen. Anstrengend empfinde ich dabei, das Störende wegzudenken, so dass die vorhandenden Qualitäten eines Ortes erscheinen können. Wörtlich übersetzt bedeutet Inspiration etwa gleichviel wie einatmen. Auf die Gartengestaltung übertragen, heisst das, die Eindrücke auf sich einwirken zu lassen. Und den Ort, die Kunden, deren Bedürfnisse und die Elemente mit denen wir arbeiten in Beziehung zu einander zu bringen. Als Gestalter übernehme ich dabei die Aufgabe eines Katalysators, der die bestehenden Fragmente, die Bedürfnisse und Möglichkeiten in ein neues Ganzes umwandelt.
Wie in einer Partnerschaft beruht dieser Prozess auf Wechselbeziehungen. Ich begreife eine gestalterische Lösung als persönliche Antwort auf eine individuelle Aufgabestellung. Ob dies dann den Erwartungen entspricht oder überraschend und provokativ erscheint, bleibt offen.
Was wir also aus den gewonnen Eindrücken nach der Phase der Inspiration formen, hängt einerseits mit Ordnung und gestalterischen Gesetzmässigkeiten zusammen, aber bestimmt auch mit der persönlichen Interpretation. Am ehesten ist der Gestaltungsprozess mit einem Gespräch zu vergleichen; wenn wir die Leute anschauen und ihnen zuhören, ist das Wichtigste bereits getan. Wie sich die Gedanken dann genau ordnen und allenfalls mit Erlebtem verglichen werden, bis sie sich zu einer Antwort formieren, kann ich nicht genau sagen. Aber je mehr ich übe und je mehr ich auf die Rückmeldungen meiner GesprächspartnerInnen achte, desto Redegewandter und Einfühlsamer werde ich.
So wünsche ich allen, die Gestaltungsaufgaben wahrnehmen, interessante Gartengespräche und authentische Antworten.