von Andreas Sommerhalder
Es gibt drei Gründe, weshalb der Garten der wichtigste Ort in unserem Leben ist.
Erstens: Zumindest aus mythologischer Sicht hat das Leben in einem Garten begonnen, im Garten Eden. Auch wenn diese Ansicht nicht mehr ganz zeitgemäss erscheinen mag, so haben diese überlieferten archetypischen Bilder einen grösseren Einfluss auf unser Leben, als uns dies bewusst sein mag.
Naturwissenschaftlich könnte es auch so formuliert werden: Es gibt wohl auf diesem Planeten kaum eine grössere Abhängigkeit, als die unsere von den Pflanzen. Keiner unserer Gedanken und keine unserer Bewegungen wären möglich, ohne dass uns die Pflanzen die Sonnenenergie mit der Zuckerbildung verfügbar machten.
Ich als bescheidener Gärtner finde, dass dies in der technikgläubigen Welt ruhig wieder mal erwähnt sein darf.
Zweitens: Die wichtigsten Lebensaspekte widerspiegeln sich im Garten, und die Zeit, die wir im Garten verbringen, hilft uns, unsere Lebensangelegenheiten zu regeln, zu befühlen und zu überdenken. Beeinflusst vom ordentlichen Gang der Dinge, überrascht von der Entfaltung, betört von den Blüten, verwöhnt durch die Ernte und betroffen über den Zerfall, findet der Gärtner und die Gärtnerin die Antworten auf ihre Fragen.
Das heitere Treiben der tierischen Gartenbewohner lässt so manche scheinbare Wichtigkeit in unserem Leben in ein gesundes Verhältnis rücken.
Drittens: In der Regel wird unser Leben im letzten, im friedlichen Garten enden.
Wer weiss, vielleicht tauchen einzelne Spuren unseres Seins und seien sie aus Staub und Asche in der einen oder anderen Gartenblume oder gar in einem Dickmaulrüssler wieder auf. Ist das nicht eine tröstliche Aussicht?