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Faszination Pflanze

von Andreas Sommerhalder

Während die Architekturwettbewerbe immer raffiniertere Siegerprojekte hervorbringen, tümpeln die Umgebungsgestaltungen oftmals in einem orientierungslosen Einheitsbrei. Aus lauter Angst etwas falsch zu machen und die Gebäudearchitektur zu stark zu konkurrenzieren, erwachsen dann im besten Fall Monokulturen von Efeu, unmotivierte Ligusterhecken oder die seit 40 Jahren gnadenlos wiederholten Berberitzeneinfassungen.
Dabei prägen die Pflanzen mit Ihrer Allgegenwart unser Städtebild ganz wesentlich.

Die gute Nachricht ist: Pflanzen bergen ein riesiges Potential an Gestaltungsmöglichkeiten und Ausdrucksstärke in sich.
Im deutschsprachigen Raum stehen uns rund 50'000 verschiedene Pflanzenarten und –sorten zur Verfügung.

Betrachten wir diese enorme Vielfalt an Formen, Strukturen und Farben, steht uns ein genialer Mal- oder Setzkasten zur Verfügung mit dem beliebige Stimmungsbilder inszeniert werden können. Eine faszinierende und weitgehend ungenutzte Welt eröffnet uns ungeahnte Horizonte.

Wieso also nicht mal die Gartengestaltung von hinten angehen und Stimmungsbilder beschreiben, die das Gebäude optimal in Szene setzen und dann erst Funktionalität und gärtnerische Machbarkeit sicherstellen.

Wenn die Standortbedingungen nicht passen, lassen sich viele Gestaltungsideen auch mit anderen Pflanzen umsetzen, die einen ähnlichen Ausdruck besitzen. Oder das Substrat könnte angepasst werden. 

Da könnten sich doch Gestalter mit pflanzenkundigen Gärtnern zusammentun und gemeinsam überraschende Erscheinungsbilder austüfteln.

Dabei sollen die Pflanzennamen in erster Linie gar nicht von Bedeutung sein:

Das Gebäude wächst aus wolkenartig arrangierten und filigranen Sträuchertuffs.

Oder eine raffiniert beleuchtete Steppenlandschaft deren Gräserbüschel ihre eleganten Schatten an die Fassade werfen schmeichelt sich um den Neubau.

Wieso nicht spielen mit grosszügigen Silberteppichen, mit einer Vielzahl mystisch wirkender, grüner Monolithen, mit frischgrünen oder dunkelroten streng geometrische Kuben in neuen überraschenden Formaten, mit fontänenartigen Zitronengräsern oder mit roten Perlenketten aus Hagenbutten in frischgrünem, lanzettlichem Blattgewuschel? Wieso nicht verblüffen mit scharfkantigen Silberquadern in einem Meer von fuchsroten Grasbüscheln oder mit knorrigen, mystischen Gestalten aus alten, verkrüppelten Schwarzdornen oder mit Brennnesseln und Blutgras in edlen Chromstahlgefässen?
Also auf geht’s zur Schaffung von lebendigen und stilvollen Siedlungsräumen.

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