von Andreas Sommerhalder
Eines meiner ultimativen Schlüsselerlebnisse in meiner Gärtnerkarriere war der Besuch im Ökozentrum Schattweid. Die hatten damals, es war 1995, ein Versuchsprojekt laufen um Fäkalien zu kompostieren. Es ist so, dass sich auch mein Bewusstsein für natürliche Kreisläufe etwas verdünnt hatte. Ich konnte meinen Lebenswandel nicht verleugnen. Den Salat schnappe ich mir heute noch in der Regel im Supermarkt, möglichst vorgewaschen und nach einem Kurzaufenthalt im Kühlschrank verschwindet er nicht nur aus den Augen, sondern auch aus dem Sinn. Beim Wasser war die Lage noch leicht zugespitzter. Den mehrere tausend Kilometer langen Wasserkreislauf nahm ich im Haushalt innerhalb von 20cm wahr. Vom Wasserhahn bis zum Ablauf. Mein Glaube an die heile Natur, endete jäh bei der Vorstellung, dass unsere Ausscheidungen jemals wieder zu irgend etwas Brauchbarem transformierbar wären.
Die Resultate der besagten Ausblidungsstätte belehrten mich dann auf heilvollste Weise eines Besseren. Das kompostierte drei Monate junge Produkt des besagten Ausgangsmaterials roch nämlich nach frischer und unberührter Walderde. Das hat bei mir dann ein sehr grosses geistiges Bling ausgelöst. Wenn also Gagi, wie mein Sohn zu sagen pflegt, innerhalb kurzer Zeit zu wunderbarer Erde umgewandelt werden kann, dann ist das entegegen häufig geäusserter Bedenken auch mit Spaghettiresten und dergleichen machbar. Das unterdessen gelüftete Geheimnis lautet: Zerkleinern, mischen, feucht halten. Und das funktioniert sogar im Schlafzimmer, wie der damalige Projektleiter wirksam demonstrierte. Dafür sorgen unvorstellbare Myriaden von Mikroorganismen. In einer handvoll Kompost, leben mehr Tiere, als es Menschen auf dem Planeten gibt. Das ist doch eine Sensation!
Ich bin also ein geheilter One-way-Denker.
Das heisst jetzt aber nicht, dass ich den lieben gartenbegeisterten Mitmenschen eine Kompostbox in das Schlafgemach stellen will. Aber wieso verpassen wir dem Kompost nicht eine würdige Hülle und rücken ihn ins Zentrum. Er zeigt uns, dass es funktioniert. Er schliesst den Keislauf. So gesehen verdient der Kompost einen Ehrenplatz. Er ist das Missing Link.